René Fournier

Photo JM Daubagna

René Fournier, geboren 1921 in Tours an der Loire, Konstrukteur und Vater der modernen Motorsegler.
1960 baute René Fournier sein erstes Flugzeug, die RF1, in Heimarbeit. Kurz darauf (1962) folgte eine verbesserte Version, die RF2, gebaut bei Pierre Robin.

Es fing alles in den Fünfzigern an, als ein bestimmter René Fournier, eigentlich Künstler von Beruf, sich dazu entschied einen “Avion-Planeur”, sprich einen Motor-segler zu konstruieren. Es zog ihn an die Coté Azur, wo er in den Räumlichkeiten einer alten Wäscherei anfing die erste RF zu bauen, zweckmäßig auch RF1 getauft. Leicht sollte sie sein und mit wenig PS auskommen. Dies sollte dazu beitragen die Kosten im Rahmen zu halten. Es sollte aber weder an Leistung noch an Spass fehlen und so entstand eine mit einem 25 PS starken Motor angetriebene RF1. Der Flieger erwies sich als gelungene Mischung aus Segelflugzeug und Reise-Tourer. Ein “Avion-Planeur” halt!

Hier sind Bilder des Erstfluges am 30.5.1960 in Cannes:

Da zu dieser Zeit auch die Französische Regierung Interesse zeigte, bekommt Fournier zusammen mit Pierre Robin den Auftrag zwei weitere Exemplare zu bauen. So entstehen die ersten beiden RF2 in der Fabrik von Robin in Dijon. Der Motorsegler wird nach wie vor vom Rectimo AR 1200 angetrieben, dem als Basis der VW Käfer Motor dient. Einige Verbesserungen fließen in die Neuentwicklung mit ein, und so hofft Fournier auf weiter Aufträge seitens der Regierung, die aber leider ausbleiben. Ein glücklicher Zufall führt Fournier jedoch mit Comté Antoine d’Assche zusammen, der von der RF2 sehr angetan ist und so beschliessen die beiden, Comte und Künstler, zusammen in Gap-Tallard eine Firma zu gründen, die Société Alpavia, um weiter RF’s zu bauen. Weitere Verbesserungen führen zur RF3, die 1963 zugelassen wird und von der 89 Stück gebaut werden. Die beiden Hersteller waren sich einig, dass die RF3 noch viel Potenzial für Verbesserungen bot und so entstand kurz darauf die RF4. Leider war die Fabrik in Gap nicht in der Lage die Produktion zu übernehmen, und so schloss Fournier mit Alfons Pützer einen Vertrag, was dazu führte, dass alle weiteren RF4 in Deutschland, in einer eigens dafür geschaffenen Halle auf der Dahlemer Binz, gebaut wurden. Sie trugen denn auch fortan die Bezeichnung RF4-D (für Deutschland). In den folgenden Jahren lässt Fournier nicht nach und entwickelt weiter. Die RF5, ein Zweisitzer, auch gebaut von Pützer, (126 Stück), der später die RF5-B Sperber (99 Stück) als Deutsche Variante weiterentwickelt, ist nur eine davon. Es folgt die RF6, die später auch als T67 Slingsby und T3 Firefly (von den 260 gebaut wurden) als “primary trainer” der US Airforce dienen. Es entstehen auch die RF7,8,9, und 10, von denen teils nur ein bis zwei Exemplare gebaut wurden. Die RF10 aber wird bis heute in Brasilien gebaut und dient der US Airforce als Nachfolgemodel der T67. Somit werden auch heute noch US Luftwaffenpiloten auf Flugzeugen geschult, deren Entwürfe aus der Feder Fourniers stammen.

[…] René ist übrigens mit etwas über 80 Jahren noch fit wie ein Turnschuh, und da es schon immer sein Ziel war, Flugzeuge zu bauen, die Spass machen und gleichzeitig wenig Ressourcen verbrauchen (der Spritverbrauch eine RF3/4 liegt gerade mal bei 8 Liter Super Plus/Stunde) hat er das Ziel des “Aviation Verte” voll und ganz erreicht. Solche Verbrauchswerte stellen sogar in der heutigen Zeit noch Spitzenwerte dar.
Die RF4D ist auch für Akrobatik ausgelegt und wird, damals wie heute für Kunstflugvorführen eingesezt. Bob Grimstead, ehemaliger B747 Kapitän der BA, und sein Mitstreiter Matthew Hill findet mann auf sämtliche Flugausstellungen in Europa.

Somit scheint die Zukunft für Fourniers sicher zu sein. Da die Flieger überwiegend aus Holz bestehen und sich heute meistens im Besitz von Liebhabern befinden, lassen sie sich gut restaurieren und finden nach wie vor Käufer. So bleibt zu hoffen, dass es auch zum 100-Jährigen Jubiläum immer noch Exemplare dieses außergewöhnlichen Musters am Himmel geben wird.

Text: Lutz Pritschow (2010)