100. Geburtstag von Alfons Pützer in Bonn-Hangelar

 Internationales Pilotentreffen zum 100. Geburtstag von Alfons Pützer  3-5 Aug. 2018. 

Rheinische Anzeigenblätter Extra-Blatt Sankt Augustin Traum vom Fliegen: Internationales Pilotentreffen zum 100. Geburtstag von Alfons Pützer

Hangelar –   „Ich bin glücklich, ich bin stolz, zu Tränen gerührt. Dieses Wochenende ist eine Wiederbegegnung mit meinem Vater”, so das Fazit von Dr. Hanns-Jakob Pützer, Sohn des Bonner Luftfahrtpioniers und Flugzeugbauers Alfons Pützer. Dieser hätte am 3. August seinen 100. Geburtstag gefeiert. Ihm zu Ehren hatten der „CFI-Club-International – Sektion Deutschland“ und der Förderverein des Deutschen Museums in Bonn mit Unterstützung des Flugplatzes Bonn-Hangelar ein „Fly In“, ein privates Pilotentreffen, organisiert. Die Teilnehmer kamen aus ganz Europa: aus Deutschland, den Benelux-Ländern, Frankreich und England sowie aus den USA. Ein Highlight war am Freitag die Ankunft von rund 40 historischen Maschinen, vom Typ Elster, dem ersten deutschen Serienflugzeug nach dem Zweiten Weltkrieg sowie den RF-Modellen. Am Samstagabend gab es dann eine Geburtstagsparty mit Livemusik in der Flugzeugwerft Bonn-Hangelar. Bei einer Feierstunde im Deutschen Museum Bonn im Wissenschaftszentrum hatte der Bonner Notar eine bewegende Festrede über das Werk seines Vaters gehalten.

Unter den Hobbypiloten, die sich am Samstagnachmittag die Oldtimermaschinen anschauen, ist auch Bernhard Steiner. Der ehemalige Volksschullehrer aus Siegburg-Kaldauen hat fast alle einmotorigen Maschinen geflogen. „Da ging es schon mal mit Gästen zur Weinprobe in die Pfalz“, schmunzelt er. Schade nur für ihn, „denn ich durfte ja nichts trinken, weil ich ja zurückfliegen musste“, erinnert sich der über 90-Jährige.

Wegen der Hitze verzögerte sich der am Samstagnachmittag geplante Rundflug der historischen Flugzeuge über Bonn und Umgebung. Dies nutzte Dr. Hanns-Jakob Pützer, um seinen Gästen die historischen Motorflugzeuge zu zeigen und vom Werk seines Vaters zu erzählen. „Sein Verdienst war es, verbrauchs- und geräuscharme Flugzeuge, zu einem erschwinglichen Preis für jedermann zu bauen“, schwärmt er.

Alfons Pützer wurde am 3. August 1918 in Bonn geboren. Er wuchs in einem holzverarbeitenden Betrieb auf. Bei einem Rundflug mit einer DO-X, einem Wasserflugzeug über den Rhein, entdeckte der damals erst Zehnjährige seine Leidenschaft für das Fliegen. Er fing an, eigene Modelle zu bauen.

Aufgrund seiner innovativen Ideen für den Flugzeugbau, beispielweise auch die viel leichteren VW-Motoren in die Maschinen einbauen zu lassen, holten ihn die später weltbekannten Gebrüder Horten noch während des Zweiten Weltkrieges als Konstrukteur ins eigene Unternehmen.

Mit der „Mora“ baute er das erste deutsche Motorflugzeug, das nach dem Zweiten Weltkrieg am Tage der Wiedererlangung der Lufthoheit in Bonn-Hangelar startete. Mit der hieraus weiterentwickelten „Pützer Elster“ gewann er Ende 1956 die erste Ausschreibung der Bundeswehr. Mit seiner Firma „Pützer Flugzeugbau KG“, startete er dann die erste Serienproduktion, mit einem Auftrag von 25 Exemplaren. Auf ihnen wurden die ersten Piloten der Bundeswehr ausgebildet. Auch das erste in Vollkunststoff gefertigte Motorflugzeug der Welt, die LFU-205, ist von ihm, der zuvor vor allem mit Holz gearbeitet hatte. Sie wurde am 22. April 1968 eingesetzt und 50 Jahre lang als Forschungs- und Versuchsflugzeug der in Oberkassel und Porz ansässigen Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) genutzt. Erst im März 2018 wurde sie aus dem Verkehr gezogen und dem Deutschen Museum übergeben. Das Besondere war, dass er seine Grundlagenforschung immer durch Forschungsaufträge finanzierte.

Mit unter den Gästen an diesem Wochenende ist auch Flugzeugbauer René Fournier. Die Familien Pützer und Fournier verbindet eine tiefe Freundschaft. Alfons Pützer lernte René Fournier auf dem „Pariser Aérosalon“ kennen. Aus dieser Begegnung ging wenig später das Unternehmen Sportavia-Pützer hervor. „Es war der Humor, der uns verband“, erinnert sich der 97-jährige René Fournier, der sich das Fly In in Hangelar nicht entgehen lassen wollte. Dabei war er zunächst Keramikmeister, bevor er begann, kleine Flugzeuge zu zeichnen und dann Flugzeugbauer wurde. Die RF-Serie mit René Fournier wurde für beide ein riesiger Erfolg. Die RF 3 war das erste Modell, das Pützer dann nach Deutschland importierte. „Wären wir nicht solche Puristen gewesen, hätten wir die Flugzeuge noch edler gestaltet, hätten wir noch mehr Erfolg haben können“, sagte René Fournier am Samstagabend mit einem verschmitzten Lächeln.

Alfons Pützer starb am 1. August 1993. „Der Lebenstraum meines Vaters hat viele Menschen zusammengebracht, und das bis heute“, sagt Hanns-Jakob Pützer, während neun der alten Maschinen zum Start ansetzen. Auch wenn die historischen Flugzeuge inzwischen Sammlerstücke sind, sie werden immer noch geflogen.

Hanns Pützer  mit René Fournier

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